Permakultur

Ganz kurz

  • Das Konzept stammt von Bill Mollison und David Holmgren (Australien, 1970er Jahre), heißt „permanent agriculture“ und
    meint nachhaltige Landwirtschaft und Lebensweise.
  • Permakultur strebt – natürliche Prozesse nachahmend – nach Nahrungsmittelerzeugung in vielfältigen, artenreichen Ökosystemen.
  • Zukunftsfähige soziale und ökonomische Konzepte werden integriert.

Warum Permakultur?

Vor etwa 10.000 Jahren wurden wir Menschen sesshaft und begannen mit Ackerbau und Viehzucht. Seither haben wir uns rasant vermehrt und das Antlitz der Erde massiv verändert. Da wir inzwischen deutlich mehr Ressourcen verbrauchen, als uns die Erde auf Dauer bieten kann, und da wir für Vergiftung und Verschmutzung der Erde, der Gewässer und der Luft sorgen, kann man sich leicht ausmalen, dass Zusammenbrüche bevorstehen. Mit dem noch nie so rasch stattgefundenen Artensterben, der Vernichtung von Ökosystemen, dem Klimawandel und dem zunehmenden sozialen Ungleichgewicht sind die Zusammenbrüche eigentlich schon da. Jedem Menschen muss klar werden, dass wir die Gestaltung unseres Lebens radikal verändern müssen. Das Konzept „Permakultur“ bietet Lösungen, die das Leben auf der Erde für ALLE verbessern können.

Was ist Permakultur?

Permakultur-Blume

Permakultur ist ein Konzept für die Gestaltung nachhaltigen – also dauerhaft zukunftsfähigen – Lebens auf dieser Erde. Die Idee stammt ursprünglich von Bill Mollison (Tasmanien/Australien) und seinem Schüler David Holmgren (Australien). Beide haben ihre Ideen bereits ab den 1970er Jahren formuliert. Bill Mollison bekam dafür 1981 den Right Livelihood Award (alternativen Nobelpreis).

Angesichts der zerstörerisch wirkenden konventionellen, industriellen Landwirtschaft mit Monokulturen und der Vernichtung vielfältigen Lebens, ging es ursprünglich vor allem um alternative Möglichkeiten zur Nahrungsmittel-Erzeugung. Das Konzept wurde permanent agriculture (auf deutsch nachhaltige Landwirtschaft) genannt.

Inzwischen sind viele Ideen verschiedenster Menschen aus vielen Ländern dazugekommen. Das Konzept ist offen für Kreativität. Zukunftsfähige soziale und ökonomische Lösungen werden integriert. Im deutschen Sprachraum spricht man von Permakultur.

Permakultur überschneidet sich mit manchen anderen Konzepten, wie z.B. der Biologischen Landwirtschaft, hat aber einige herausragende zusätzliche  Charakteristika.

Die Charakteristika der Permakultur

DIE ETHIK:

1. EARTHCARE
Achtsamer Umgang mit der Erde – das heißt würdevoll mit der Erde, der Natur und dem vielfältigen Leben darin umgehen.

2. PEOPLECARE
Achtsamer Umgang mit den Menschen – das heißt mit sich selbst und seinen Mitmenschen.

3. FAIR SHARE
Gemeint sind die Begrenzung des menschlichen Konsums, so dass Ressourcen geschont und – wo nötig – wieder aufgebaut werden sowie die gerechte Verteilung von Überschüssen.

Bei jedem Gestaltungsprozess müssen diese drei ethischen Grundlagen berücksichtigt werden. Ökologie, soziales Miteinander und Ökonomie müssen ausgewogen sein, sonst haben die Projekte auf Dauer keinen Bestand.

DAS SYSTEMISCHE DENKEN:

Nichts wird isoliert betrachtet, sondern alles ist Teil eines lebendigen Gesamtgebildes – auch der Mensch. Lebendiges und Nicht-Lebendiges befinden sich in einer geregelten, abhängigen (Kreislauf)Beziehung. Man nennt das Ökosystem. Beim Anbau der Nahrungspflanzen bemüht man sich daher in der Permakultur, solche Systeme – mit Menschen als gleichberechtigtem Teil – aufzubauen.

Gehölze wie Bäume und Sträucher spielen dabei eine große Rolle. Wenn sich Flächen ohne Zutun des Menschen natürlicherweise begrünen, wachsen nach einigen anderen Vorläuferpfanzen in unseren Breiten immer Sträucher und Bäume und sind biologische Grundlage für vielerlei anderes Leben. Nicht nur weil sie Lebensräume bieten, sondern weil sie zum Beispiel wichtige Faktoren für den Bodenaufbau und für die Gestaltung von Wasserkreisläufen liefern. Daraus folgt: keine Permakultur-Landwirtschaft ohne Integration von Gehölzen. Zumal Gehölze mit Blättern, Blüten, Früchten, Samen, Rinde und Baumsäften auch Menschen wertvolle Nahrung liefern können.

Da sich jedoch Natur und Mensch, Mensch und Natur gemeinsam entwickelt haben, werden traditionelle artenreiche Kulturlandschaften wie Wiesen, Weiden, Feld- und Wegraine, Streuobstwiesen, Hausgärten, Gemeinschaftsgärten etc. als vielfältige Ökosysteme weiter gepflegt. Es wird darauf geachtet, dass natürliche Kreislauf- und Stoffwechselprozesse ablaufen können. Neues panzliches Leben ist nur durch den Abbau von abgestorbenen Lebewesen möglich. Diese durch Insekten, Würmer, Bakterien und Pilze gestalteten Abbauprozesse werden daher in die Perma Kultur-Landwirtschaft auf den Flächen integriert. Zwar gibt es stabile artenarme Systeme, die Anfälligkeit für Störungen durch z.B. Wetterextreme oder sogenannte Schädlinge wird jedoch geringer, wenn ein System vielfältig gestaltet ist. Daher wird auf lebendige Vielfalt der Lebensräume und des Lebens mit all seinen inner- und zwischenartlichen  Kommunikationsprozessen geachtet. So wird es langfristig kaum ernsthafte Probleme mit Schädlingen geben, da die Selbstregulationsprozesse in Gang kommen.

DIE GESTALTUNGSPRINZIPIEN:

Als Leitfaden für die Gestaltung von Permakultur Systemen haben verschiedene Permakultur Fachleute im Laufe der Zeit Leitsätze – die Gestaltungsprinzipien – entwickelt. Am bekanntesten sind die 12 Gestaltungsprinzipien von David Holmgren, welche er in seinem Buch „Permakultur-Gestaltungsprinzipien für zukünftige Lebensweisen“ erklärt.

Die 12 Gestaltungsprinzipien:

  1. Beobachte und interagiere
  2. Sammle und speichere Energie
  3. Erziele eine Ernte
  4. Nutze Selbstregulation und akzeptiere Feedback
  5. Nutze und schätze erneuerbare Energien und Dienstleistungen
  6. Produziere keinen Abfall
  7. Entwirf vom Muster hin zum Detail
  8. Integriere eher als zu trennen
  9. Nutze kleine und langsame Lösungen
  10. Nutze und schätze Vielfalt
  11. Nutze Randzonen und schätze das Marginale
  12. Nutze Veränderung und begegne ihr mit Einfallsreichtum

PERMAKULTUR DESIGN:

Permakultur liefert keine starren Lösungen. Die Lösung muss – unter Berücksichtigung der Ethik und der Gestaltungsprinzipien – angepasst werden an den jeweiligen Ort, seine vorhandenen Bedingungen und Möglichkeiten und an das formulierte Ziel. Die Lösung ist auch nie fertig, sondern das Ergebnis wird laufend reflektiert und weiterentwickelt.

Permakultur Designer gehen dabei in Schritten folgendermaßen vor:

  1. Wertfreies Beobachten des Vorhandenen
  2. Analyse und Bewertung, Ideen und Entwürfe für die Gestaltung
  3. Umsetzung (Design)
  4. Zelebrieren des Erreichten, dabei aber schon wieder zurück zu Schritt eins: weiter beobachten, weiterentwickeln und verändern.